Sturmflutüberschwemmung an der Küste

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

Das BSH mit Hauptsitz in Hamburg und einer Zweigstelle in Rostock ist die zentrale Bundesbehörde für marine Warndienste. Es betreibt das Küstenwarnsystem und gibt Wasserstandsvorhersagen für die deutschen Küstengebiete heraus.

Die BSH-Vorhersagen basieren auf numerischen Ozeanmodellen, die meteorologische Eingangsdaten des Deutschen Wetterdienstes verarbeiten. Wasserstandsprognosen werden für Pegel an der Nordseeküste (u. a. Emden, Bremen, Bremerhaven, Hamburg-St. Pauli, Cuxhaven, Büsum, Helgoland, List auf Sylt) und an der Ostseeküste (u. a. Flensburg, Kiel, Lübeck, Rostock, Stralsund) erstellt.

Auf der BSH-Website (bsh.de) sind aktuelle Warnungen und Pegelstände frei abrufbar.

Sturmflutschwellen und Warnstufen

Das BSH unterscheidet bei Nordsee-Sturmfluten drei Kategorien anhand des Wasserstands über dem mittleren Tidehochwasser (MThw):

  • Sturmflut: 1,5 bis 2,5 m über MThw
  • Schwere Sturmflut: 2,5 bis 3,5 m über MThw
  • Sehr schwere Sturmflut: mehr als 3,5 m über MThw

An der Ostsee sind die Schwellenwerte aufgrund der unterschiedlichen Tidedynamik abweichend definiert. Da die Ostsee kein offenes Ozeangebiet ist, hängt der Wasserstand dort stärker von langanhaltenden Winden und dem Luftdruckgefälle ab als von Gezeitenkräften.

Pegel Hamburg-St. Pauli als historischer Referenzpunkt

Die Sturmflut von 1962 erreichte am Pegel Hamburg-St. Pauli einen Wasserstand von +5,99 m über Normalnull (NN). Dieser Wert gilt als historischer Bezugspunkt für die Dimensionierung von Hamburger Hochwasserschutzanlagen. Aktuelle Deiche sind für deutlich höhere Wasserstände ausgelegt.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) und meteorologische Vorhersagen

Der DWD in Offenbach liefert die meteorologische Grundlage für Sturmflutvorhersagen. Großwetterlagen wie Sturmtiefs über der Nordsee (klassischerweise aus nordwestlicher Richtung) oder anhaltende Ostwindlagen an der Ostsee werden über numerische Wettermodelle berechnet und mehrere Tage im Voraus erkannt.

Der DWD gibt Unwetterwarnungen heraus, die auch Sturm und Orkan über See umfassen. Diese sind über die DWD-Website (dwd.de) sowie über die DWD WarnWetter-App abrufbar.

NINA — die Warn-App des BBK

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betreibt die Warn-App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App). Sie aggregiert Meldungen aus verschiedenen amtlichen Quellen: DWD-Unwetterwarnungen, KATWARN-Meldungen der Länder und Kreise sowie Meldungen des BBK selbst.

Anwohner können in NINA Warngemeinden manuell hinzufügen und erhalten so Push-Benachrichtigungen, sobald für diese Region eine Warnung ausgelöst wird. Die App ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Die NINA-Infrastruktur ist für hohe Last ausgelegt und soll auch in Krisenlagen stabil bleiben.

Cell Broadcasting seit 2023

Seit der Einführung des Cell Broadcast-Systems in Deutschland können Warnungen direkt an alle aktiven Mobilfunkgeräte in einem geografischen Gebiet gesendet werden — ohne dass eine App installiert sein muss. Die Meldung erscheint als gesondertes Popup auf dem Gerät und wird durch ein Alarmsignal begleitet.

Cell Broadcasting ist bei neueren Smartphones standardmäßig aktiv. Es ergänzt die bestehenden Kanäle (Sirenen, Radio, NINA) und schließt insbesondere die Lücke für Personen, die keine Warn-App installiert haben.

Sirenen und lokale Warnsysteme

Viele Küstengemeinden verfügen über ortsfeste Sirenensysteme. Nach dem weitgehenden Abbau der Sirenen nach dem Kalten Krieg werden diese seit etwa 2020 im Rahmen des Wiederaufbaus des Sirenensystems wieder verstärkt installiert. Der alljährliche bundesweite Warntag (jeweils am zweiten Donnerstag im September) dient auch dazu, die Funktionsfähigkeit der Systeme zu testen.

Lokale Feuerwehren und Kreiskatastrophenschutzbehörden können ergänzend Lautsprecherdurchsagen über Fahrzeuge durchführen, wenn eine unmittelbare Gefahr besteht.

Wasserstandsmessungen und Pegelnetze

Das Pegelnetz an Küste und Flussmündungen ist eine wichtige Datengrundlage. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und die Landesbehörden betreiben Pegel, deren Messwerte online abrufbar sind. Für den Hamburger Raum bietet die Behörde für Umwelt und Klima (BUK) ein detailliertes Pegelportal an.

Moderne Pegel übertragen ihre Messwerte in Echtzeit und können mit Schwellenwert-Alarmen konfiguriert werden. Die Daten fließen in die numerischen Modelle ein und verbessern kontinuierlich die Vorhersagegenauigkeit.