Gefährdungsanalyse als erster Schritt
Bevor konkrete Maßnahmen ergriffen werden, ist eine Einschätzung der tatsächlichen Gefährdungslage sinnvoll. Relevante Fragen sind: Liegt das Grundstück im deichgeschützten oder im ungeschützten Bereich? In welcher Geländehöhe befindet es sich? Kann das Grundstück bei einem Versagen des Deichsystems oder bei einer Überströmung überschwemmt werden?
Hochwassergefahrenkarten liegen für viele Küstenregionen bei den Landesumweltbehörden vor. In Niedersachsen etwa sind solche Karten beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) verfügbar.
Rückstausicherung für Abwasseranlagen
Einer der häufigsten und oft unterschätzten Schadenspfade bei Sturmfluten ist Rückstauwasser aus der Kanalisation. Wenn der Wasserdruck im öffentlichen Kanalnetz stark ansteigt, kann Abwasser durch Kellerdrainagen, Toiletten und Bodenabläufe ins Gebäude eindringen.
Technisch wirksam sind Rückstauverschlüsse, die selbsttätig schließen, wenn Druck aus der Kanalseite kommt. Diese sollten durch einen Fachbetrieb installiert werden, da Fehler im Einbau die Schutzwirkung aufheben können. In manchen Bundesländern sind Rückstauverschlüsse für Neubauten in gefährdeten Gebieten vorgeschrieben.
Kellerschutz und Abdichtung
Gegen eindringendes Grundwasser oder Oberflächenwasser kann ein Keller durch Innendichtung oder Außendichtung geschützt werden. Bei der Außendichtung wird die Kelleraußenwand mit einer wasserundurchlässigen Beschichtung versehen und eine Drainage verlegt. Diese Maßnahme ist aufwändig und erfordert Erdarbeiten, bietet aber dauerhaften Schutz.
Innendichtungen (Injektionsverfahren, Dichtungsschlämmen) sind weniger invasiv, jedoch bei starkem Wasserdruck (Druckwasser) begrenzt wirksam. Sie eignen sich eher für Feuchtigkeitsschutz als für Überflutungsschutz.
Mobile Schutzwände und Sandsäcke
Mobile Hochwasserschutzsysteme ermöglichen es, einzelne Öffnungen (Türen, Garagentore, Lichtschächte, Kellerfenster) schnell abzuschotten. Kommerzielle Systeme aus Aluminium oder Spezialmaterialien können ohne Werkzeug in kurzer Zeit installiert werden. Sandsäcke sind günstig und flexibel einsetzbar, erfordern aber Vorbereitung und genügend Lagermaterial.
Sandsack-Richtwerte
Für eine 10 cm hohe Sandsackbarriere werden pro Laufmeter etwa 8 bis 10 Sandsäcke benötigt. Die Säcke sollten lehmhaltigem oder bindigem Sand befüllt werden — reiner Quarzsand setzt sich zu wenig ab. Bei Wind und Wellen bieten Sandsäcke nur bei guter Stapeltechnik eine wirkungsvolle Barriere.
Elektrische Anlagen in Kellern und Erdgeschossen
Elektrische Installationen in potenziell überflutbaren Bereichen sollten auf ein Minimum reduziert werden. Sicherungskästen, Heizungsanlagen und Pumpensteuerungen sollten idealerweise in höheren Stockwerken oder zumindest oberhalb des zu erwartenden Hochwasserspiegels installiert sein.
Vor einer drohenden Überflutung sollte die Stromversorgung im gefährdeten Bereich abgeschaltet werden, um Kurzschlüsse und Brände zu vermeiden. Elektriker können eine getrennte Sicherungsebene einbauen, die einzelne Bereiche selektiv abschalten lässt.
Heizöltanks absichern
Unterirdische Heizöltanks können durch Auftrieb bei Überflutung aus dem Boden gehoben werden und dabei Leitungsverbindungen reißen. Oberirdische Tanks können bei eindringendem Wasser aufschwimmen. Fachgerecht verankerte Tanks, die den Auftriebskräften standhalten, reduzieren dieses Risiko. Das Leerpumpen eines Tanks kurz vor einer drohenden Sturmflut kann das Auftriebsrisiko erhöhen, da der Auftrieb bei leerem Tank größer ist.
Versicherungsschutz prüfen
Standardmäßige Hausrat- und Gebäudeversicherungen decken Sturmflutschäden in der Regel nicht ab. Dafür ist eine Elementarschadenversicherung erforderlich, die explizit Überschwemmungen durch Sturmfluten einschließt. Die Verfügbarkeit und der Preis dieser Versicherungen hängen stark von der Risikozone des Gebäudes ab.
Informationen zu Risikozonierungen bietet der Zonierungsplan für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS), der von deutschen Versicherern gemeinsam gepflegt wird. Anfragen dazu sind direkt an Versicherungsgesellschaften oder Makler zu richten.