Sturmflutschäden an der Küste

Warum ein schriftlicher Plan sinnvoll ist

In einer akuten Gefahrensituation ist die Zeit für Entscheidungen begrenzt und der Stresslevel hoch. Ein vorbereiteter Plan, der für alle Haushaltsmitglieder bekannt ist, reduziert das Risiko von Fehlentscheidungen. Er sollte ausgedruckt und an einem zugänglichen Ort aufbewahrt werden — nicht nur digital gespeichert, da Strom und Mobilfunknetz bei Sturmfluten ausfallen können.

Informationsquellen im Voraus festlegen

Bevor eine Sturmflut eintrifft, sollten die relevanten Informationsquellen bekannt sein:

  • NINA-App des BBK (kostenlos, iOS und Android)
  • DWD WarnWetter-App
  • BSH-Website (bsh.de) für Wasserstandsvorhersagen
  • Lokales Radioprogramm (NDR, Bremen Zwei etc.) — auch über batteriebetriebenes Gerät empfangbar
  • Sirenensignale kennen: Heulton (auf- und abschwellend) = Warnung; gleichbleibender Ton = Entwarnung

Das Notfallgepäck

Das BBK empfiehlt Haushalten in Gefahrengebieten, ein vorbereitetes Notfallgepäck bereitzuhalten. Für Küstenanwohner sollte es folgende Elemente enthalten:

  • Wichtige Dokumente in wasserdichter Hülle: Personalausweis, Reisepass, Versicherungsunterlagen, Grundbuchauszug, Mietvertrag
  • Bargeld in kleinen Scheinen (Kartenzahlung funktioniert bei Stromausfall nicht)
  • Erste-Hilfe-Set und notwendige Medikamente für mindestens drei Tage
  • Batteriebetriebenes oder handkurbelbares Radio
  • Taschenlampe mit Reservebatterien oder Kurbellampe
  • Trinkwasservorrat für mindestens 24 Stunden
  • Wetterfeste Kleidung und Regenschutz
  • Handyladekabel und Powerbank (aufgeladen)

Evakuierungshinweis des BBK

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Evakuierungsanordnungen der Behörden stets unverzüglich zu befolgen. Eigenmächtige Entscheidungen, das Gebäude nicht zu verlassen, können Rettungskräfte gefährden und sind in einigen Bundesländern ordnungsrechtlich relevant.

Evakuierungsrouten planen

Jeder Haushalt sollte mindestens zwei Fluchtrouten aus dem Gebäude und aus dem Wohngebiet kennen. Dabei ist zu bedenken, dass Straßen durch eindringendes Wasser oder umgestürzte Bäume blockiert sein können. Relevante Punkte bei der Routenplanung:

  • Wo liegen Sammelplätze und Notunterkünfte in der Gemeinde? (Informationen bei Gemeindeverwaltung erfragen oder auf der Website des Landkreises)
  • Welche Straßen führen zu höher gelegenem Terrain?
  • Gibt es im Haushalt Personen mit eingeschränkter Mobilität, die besondere Vorkehrungen benötigen?
  • Wo soll das Fahrzeug abgestellt werden, wenn im Keller oder auf der Straße mit Überflutung zu rechnen ist?

Maßnahmen nach Erhalt einer Warnung

Nach Eingang einer Sturmflutwarnung kann je nach verbleibender Zeit eine Reihe von Sofortmaßnahmen ergriffen werden:

  • Wertgegenstände, Fotoalben, wichtige Dokumente in höhere Stockwerke bringen
  • Heizöltank sichern (Einfüllstutzen verschließen, Zustand prüfen)
  • Strom in gefährdeten Bereichen am Sicherungskasten abschalten
  • Rückstauklappen prüfen und schließen
  • Sandsäcke oder Schutzplatten vor gefährdeten Öffnungen positionieren
  • Fahrzeug auf höher gelegenes Terrain verlagern
  • Haustiere sichern und Tierpass bereithalten

Verhalten während der Sturmflut

Wenn sich Wasser bereits im Keller oder Erdgeschoss befindet:

  • Strom im betroffenen Bereich sofort abschalten (Gefahr durch Stromschlag)
  • Nicht in überschwemmte Keller steigen — Strömungen und Kontaminationen können gefährlich sein
  • Kein Kontakt mit eingedrungenem Wasser ohne Schutzausrüstung (mögliche Verunreinigungen)
  • Obere Stockwerke aufsuchen und auf Rettungskräfte warten, falls das Gebäude nicht mehr verlassen werden kann
  • Kontakt zu Einsatzleitstelle per Notruf 112 aufnehmen

Nach der Sturmflut

Nach dem Rückgang des Wassers sind einige Punkte zu beachten, bevor das Gebäude wieder vollständig genutzt wird:

  • Elektrische Anlagen durch einen Fachbetrieb auf Beschädigungen prüfen lassen, bevor der Strom wieder eingeschaltet wird
  • Tragfähigkeit von Decken und Wänden nach Wassereinwirkung durch einen Statiker beurteilen lassen
  • Schäden fotografisch dokumentieren für Versicherungsmeldungen
  • Kontaminiertes Wasser nicht trinken oder für Lebensmittelzubereitung verwenden
  • Heizöl- und Gasleitungen auf Dichtheit prüfen lassen